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Horst
Wawrzynski
Leiter des Polizeipräsidiums Chemnitz
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Das
delinquente Verhalten von Kindern und Jugendlichen ist in der jüngsten
Vergangenheit stetig angestiegen und hat mittlerweile einen nicht zu akzeptierenden
Umfang erreicht. Eine besondere Erscheinungsform ist hierbei die Anwendung
von Gewalt. Durch diese Entwicklung steigt auch die öffentliche Erwartung
an die Arbeit der Polizei, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Aber nicht nur die Polizei hat sich der Verpflichtung zur gezielten Bekämpfung
der Gewalt von Kindern und Jugendlichen verschrieben, sondern auch andere
Personen und Institutionen. So haben z. B. die Polizeisportvereine Deutschlands
unter dem Motto "Sport statt Gewalt" eine Initiative ins Leben
gerufen, welche die Polizei in ihren präventiven Aktivitäten
unterstützt.
Die Aktion "Sport statt Gewalt" ist ein Bestandteil der polizeilichen
Prävention im Freistaat Sachsen. Auch allgemeine Sportvereine und
der Polizei nahe stehende Organisationen wie die Berufsvertretungen und
die IPA haben sich des Themas angenommen und wirken bei der Verhinderung
von Gewalt mit. In gemeinsamer Anstrengung wird den Kindern und Jugendlichen
eine sinnvolle Freizeitgestaltung geboten.
Es ist höchst erfreulich, dass die Polizei, die Sportvereine und
die Berufsorganisationen sich gemeinsam dieser wichtigen Aufgabe stellen
und damit einen wesentlichen Beitrag zur inneren Sicherheit leisten.
Den Initiatoren und Aktiven dieser Projekte danke ich recht herzlich für
ihre engagierte und aufopferungsvolle Tätigkeit. Ein wichtiger Beitrag
zu der gezielten Bekämpfung der Kinder- und Jugendkriminalität,
insbesondere der Gewaltanwendung, ist auch diese Informationsbroschüre
der IPA.
Ich wünsche den IPA-Freunden und allen Mitwirkenden weiterhin viel
Erfolg.
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Udo
Göckeritz
Leiter IPA-Landesgruppe Sachsen
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Kriminalität
ist ein weites Feld. Sie reicht von Mord über organisierte Betrügereien
bis zum Ladendiebstahl. Doch die Menschen fürchten sich im Alltag am
meisten vor Gewalt. Zwar ist die Verbrechensangst, die inzwischen auch einen
politischen Faktor darstellt, viel größer als die reale Möglichkeit,
jemals überfallen zu werden; allerdings ist dies kein Trost für
die Bürger, die selbst zum Opfer werden können.
Tatsächlich aber steigen seit einigen Jahren die Gewalttaten, besonders
auffällig daran ist der wachsende Anteil von Kindern und Jugendlichen
unter den Tätern. Deshalb hat sich die sächsische Polizei und
die IPA als berufsbejahende Organisation auch diesem Themenfeld gewidmet.
Dabei geht es besonders um die Verbesserung des Freizeitangebotes für
Kinder, Jugendliche und Jungerwachsene, weil die Gewaltentwicklung von zunehmender
Aggression und Brutalität gekennzeichnet ist. Besonders auffällig
zeigt sich die Gruppe im Alter von 14 bis 19 Jahren.
Obwohl jungen Menschen schon immer das Bestreben eigen ist, sich in Gemeinschaften
zu organisieren und aufzuhalten, entwickeln sich gegenwärtig die Gruppennormen
und der Umgang untereinander mit einer Prägung von zunehmender Intoleranz
und Missachtung.
Begünstigende Faktoren der Kinder- und Jugenddelinquenz sind fehlende
oder besonders von sozial Schwachen nicht erschließbare alternative
Freizeitmöglichkeiten. Nicht nur aus diesem Grund kommt der Zusammenarbeit
zwischen der größten Berufsvereinigung - der International Police
Association (IPA) - und den Sportvereinen wachsende Bedeutung zu.
Wir sind der Meinung, dass es doch möglich sein muss, vielen Kindern
und Jugendlichen in ihren Wohngebieten eine sinnvolle alternative Freizeitgestaltung
zu ermöglichen, insbesondere dort wo die Jugendkriminalität besonders
hoch ist. Mit Hilfe sportlicher Betätigung sollen die betroffenen Kinder
und Jugendlichen lernen, ihre Mitmenschen zu respektieren und Meinungsverschiedenheiten
gewaltlos auszutragen. Dabei wird Gewalt in ihrer negativen Wirkung verdeutlicht
und in Bahnen der sportlichen Auseinandersetzung gebracht.
Wir werben dafür, dass jeder Sportverein alle Möglichkeiten ausschöpft,
um in Städten und Gemeinden eine Vielzahl von Angeboten zu unterbreiten.
Die Polizeisportvereine Deutschlands haben dazu unter dem Motto "Sport
statt Gewalt" einen ersten Schritt unternommen, der zum Anlass genommen
werden sollte, ebensolche Aktivitäten zu entwickeln. Bereitschaft zu
Gewalt, Aggression und Brutalität haben vielfältige Gründe.
Ohne einen Anspruch auf Vollzähligkeit zu erheben sollen nur einige
herausgegriffen werden:
o Wertewandel
o Orientierungslosigkeit
o Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven
o erlebnisarme Wohngebiete
o unattraktive oder kostenintensive Freizeitangebote
o gestörte Familienverhältnisse
o Schule als Institut der konzentrierten Wissensvermittlung
o Individualismus
Dem gegenüber stehen die Wünsche der Kinder und Jugendlichen nach
Aktion, Abenteuer und Spannung. Das genannte Motto "Sport statt Gewalt"
soll bei Kindern und Jugendlichen die Initiativen entwickeln, Sport im Verein
zu betreiben.
Untersuchungen haben bewiesen, dass Angehörige dieser Altersgruppe,
die Sport treiben, nahezu überhaupt nicht am Kriminalitätsgeschehen
als Täter beteiligt sind. Im Sport lernen sie Fairness, Einordnung,
Disziplin und Kameradschaft.
Wir wünschen uns und unterstützen dies intensiv, dass Möglichkeiten
geschaffen werden, für eine regelmäßige sportliche Betätigung
sowie Betreuung interessierter Kinder und Jugendlicher aus sozial schwachen
Elternhäusern und mit Hilfe gesellschaftlicher Organisationen kriminell
gefährdeter Kinder und Jugendliche.
Schwerpunkt soll sein, die genannte Zielgruppe "von der Strasse zu
holen" und ihnen alternativ eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung
zu bieten. Weiterhin besteht das Ziel der Gewaltminderung darin, eine positiv-optimistische
gesunde Lebens- und Verhaltenseinstellung im öffentlichen Umgang zu
vermitteln.
Mögen diese Gedanken dazu beitragen, dass sich eine Vielzahl von Sportvereinen
und gesellschaftlichen Erziehungsträgern einem solchen Projekt zuwenden. |